Kryptos: Warum Ethereum den Wettkampf als Wertaufbewahrungsmittel gegen Bitcoin gewinnen wird

Jahrelang betrachtete man Bitcoin als das asymmetrischste Risiko-Ertrags-Verhältnis unserer Lebenszeit. Bitcoin hatte einzigartige Eigenschaften, die ihn zum besten Wertaufbewahrungsmittel machten, welches die Welt je gesehen hat. Die schwer zu reproduzierenden Netzwerkeffekte machten es unwahrscheinlich, dass eine andere Kryptowährung ihn verdrängen würde.


Vor einigen Monaten begann sich diese Ansicht zu ändern. Zwei Entwicklungen im Ethereum-Netzwerk erregten die Aufmerksamkeit der Anleger: 1) Ethereum hat einen echten Verwendungszweck gefunden und 2) Ethereum’s deflationäre Änderungen an der Geldpolitik des Protokolls. Diese Änderungen - neben anderen – könnten massive Auswirkungen auf die monetären Eigenschaften von Ethereum haben, die es sogar zu einem besseren Wertaufbewahrungsmittel als Bitcoin machen könnten.


1) Ethereum’s echter Verwendungszweck


Als Blockchain verfügt Ethereum und damit die interne Kryptowährung Ether im Vergleich zu Bitcoin über einen entscheidenden Vorteil. Über die Ethereum-Blockchain können dezentralisierte Finanzprodukte - auch DeFi genannt - angeboten werden. Die Bitcoin-Blockchain unterstützt hingegen einzig die Kryptowährung, die eine Alternative zu klassischen Währungen ist. Bitcoin ist sozusagen das Konzept, Ethereum die praktische Anwendung.


Die Ethereum-Plattform verfügt über einen viel reelleren Mehrwert gegenüber Bitcoin. Es ist nicht nur ein interessantes Netzwerk für Entwickler (94 der 100 größten Krypto-Projekte basieren auf Ethereum) oder eine Alternative zu den Fiat-Währungen, sondern könnte in naher Zukunft eine bedeutende Rolle im weltweiten Finanzsystem einnehmen. Denn intelligente Verträge ermöglichen auf Ethereum die Durchführung vertrauenswürdiger Transaktionen und Vereinbarungen zwischen verschiedenen Parteien. Diese digitalen Verträge sind durchaus mit klassischen Verträgen vergleichbar - beispielsweise mit einem Kaufvertrag oder dem Abschluss einer Versicherungspolice. Selbst die Kreditvergabe und -aufnahme, der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren oder Hochzinsanleihen ist möglich.


2) Ethereum’s deflationäre Änderungen an der Geldpolitik des Protokolls


Ein regelrechter "Game-Changer" steht dem Protokoll bevor: Der Umstieg auf Ethereum 2.0. Das Ethereum-Netzwerk wird zukünftig - vermutlich 2022 - vom Proof-Of-Work (PoW) Konsensverfahren in das Proof-Of-Stake (PoS) Konsensverfahren übergehen, was bedeutende Vorteile für die Skalierbarkeit des Netzwerks mit sich bringen soll. Die steigende Anzahl der Nutzer haben das Ethereum-Netzwerk in letzter Zeit oft ans Limit gebracht.


Nach dem Umstieg wird das Ethereum-Netzwerk zukünftig in der Lage sein, intelligente Verträge über das PoS-Verfahren zu betreiben, wodurch energie- und zeitaufwändiges Mining gänzlich entfällt. Der Stromverbrauch der zugehörigen Blockchain könnte damit um bis zu 99 Prozent gesenkt werden. In einer Zeit, wo Nachhaltigkeit ein Anlagekriterium ist, kommt Bitcoin mit seiner Energiebilanz damit zwangsläufig ins Hintertreffen.


Ein wichtiger Schritt hin zum PoS erfolgte am 5. August 2021. Mit dem sogenannten London-Hard-Fork-Upgrade wurde die Ethereum-Blockchain langfristig deflationärer gestaltet. Durch die neue Gebührenstruktur wird bei jeder Transaktion Ether verbrannt. Dies dürfte sich langfristig positiv auf den Ether-Kurs auswirken.





Institutionelle Investoren bevorzugen zunehmend Ether


Die Vorteile von Ether gegenüber Bitcoin haben auch institutionelle Investoren erkannt und zeigt sich auch bei den Kryptofonds. Während Ether-Fonds auch während des Kursrücksetzers beständig Zuflüsse aufwiesen, mussten Bitcoin-Fonds Abflüsse verzeichnen.


Diese Dynamik wirft die berechtigte Frage auf, wann das sogenannte "flippening" stattfinden wird. Damit ist der Zeitpunkt gemeint, wenn Ether Bitcoin als weltweit grösste Kryptowährung ablösen wird.

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