T&V Kommentar 2. Quartal 2022

Makroökonomischer Gegenwind bläst Märkten entgegen

Das Börsenjahr 2022 zeichnete sich bisher durch eine überdurchschnittliche Volatilität und herbe Kursverluste aus. Aufgrund der kontinuierlich steigenden Inflationszahlen, ausgelöst durch stark ansteigende Rohstoffpreise sowie der nach wie vor bestehenden Lieferengpässe, sahen sich die Notenbanken in den wichtigsten Volkswirtschaften gezwungen, die Zinssätze schnell und massiv zu erhöhen. Die Rufe, dass sich die USA auf eine Rezession zubewegen, werden deshalb immer lauter. Zusätzlich sorgt der Krieg in Osteuropa für Angst und Unsicherheit.


Praktisch jeder Anleger am Aktienmarkt weiss, dass Anlagen riskant sein können. Aber wie riskant sind sie und was genau bedeutet "Risiko" an den Börsen? Die Meinungen darüber, wie Risiko definiert wird, gehen auseinander. Uns gefällt die Definition von Elroy Dimson, einem berühmten Wirtschaftswissenschaftler: "Risiko bedeutet, dass mehr Dinge passieren können als passieren werden." Das Handeln der Menschen wird sehr stark durch ihre Emotionen beeinflusst und dies ist auch an den Börsen nicht anders. Wie Aktienkurse bei steigenden Börsen überschiessen können, können sie in schlechten Phasen auch unterschiessen. Natürlich sind fallende Aktienkurse äusserst unangenehm aber sie bieten einem langfristigen Anleger auch immer wieder Einstiegschancen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Aktienanleger für das Risiko, dem er sich aussetzt, auf lange Frist reichlich belohnt werden sollte. In der Vergangenheit war dies stets der Fall und wir glauben, dass sich dies auch in Zukunft nicht ändern wird. Folgende 5 Tatsachen sollten Anlegern helfen, die Schwankungen am Aktienmarkt ohne schlaflose Nächte zu überstehen:


1. Das Erkennen grösserer Kursverluste (market timing) ist unmöglich

Wir würden alle gerne in der Lage sein, die Märkte zu timen um Verluste zu umgehen. Die Geschichte und die Daten legen uns nahe, dass dies nahezu unmöglich ist. Wenn es möglich wäre, diese Kurseinbrüche zu erkennen und somit nur bei steigenden Börsen investiert zu sein, würde man sehr schnell zu einem der reichsten Menschen der Welt werden. Leider müssen Investoren durch die mühsamen Kurseinbrüche des Aktienmarktes gehen, damit sie auf lange Sicht reichlich belohnt werden.


2. Auch Profis können Kurseinbrüche nicht vermeiden

Aktienmärkte haben in der Vergangenheit, häufiger als Investoren vielleicht denken, Perioden mit grossen Kursverlusten durchlaufen. Falls man als Anleger denkt, nur Amateure könnten Kurseinbrüche nicht umgehen, irrt man sich. Hierzu zwei Fakten: (1) Selbst bei den langfristig erfolgreichsten Managern gibt es grosse Rückschläge. (2) Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der langfristigen Performance eines Managers und dem Ausmass der grössten Performanceeinbrüche.


3. Verluste sind vorprogrammiert (aber nicht auf lange Sicht)

Wenn man in der Geschichte bis 1900 zurückgeht, kann man sofort sehen, dass Aktienmärkte in einem Zeitraum von einem Jahr unglaublich volatil sein können. Einbrüche von 10% bis 30% sind relativ häufig. Bei einem Zeitraum von 5 Jahren werden die Rückgänge jedoch sehr viel seltener. Bei einer Haltedauer von 10 Jahren sind sie praktisch inexistent und auf 20 Jahre gibt es keine Perioden mit negativen Erträgen. Fazit: Je länger die Haltedauer, desto grösser wird die Wahrscheinlichkeit einer positiven Rendite.


4. Selbst Warren Buffett kann sich der Volatilität nicht entziehen

Viele von uns würden gerne dauerhaft eine jährliche Rendite von 20% erzielen, ohne dass der Wert der Anlage je abnimmt. Die einzigen, denen das gelingt, sind die Bernie Madoffs dieser Welt, denn sie werden irgendwann als Betrüger entlarvt und landen hoffentlich im Gefängnis!

Berkshire Hathaway (Warren Buffetts Investmentvehikel) verzeichnete vier Jahre, in denen es um mehr als 20% fiel und sechs Jahre, in denen es den S&P500 um mehr als 20% untertraf.


5. Aktien belohnen Anleger auf lange Sicht sehr gut

Wenn man also diese gelegentlichen 50%igen Rückschläge und die häufigeren 20%igen Korrekturen ertragen hat, sollte man wie erwähnt reichlich belohnt werden. Aber wie reichlich? Eine Investition von $100 in den amerikanischen Aktienmarkt im Jahr 1899 wäre heute auf $9'994'326 angewachsen! Kaum zu glauben, aber wahr! Das kurzfristige Risiko von Aktien wurde auf lange Sicht also mehr als reichlich belohnt.


Kein Risiko, keine Belohnung

Volatilität und Kurseinbrüche sind also der Preis, den ein Aktienanleger für höhere Renditen auf lange Sicht bezahlen muss. Man kann wirklich nicht das Süsse ohne das Saure haben.


Der Aktienmarkt ist ein Instrument, um Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen zu transferieren. Wir bleiben geduldig!

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