T&V Kommentar 3. Quartal 2022

Idealer Zeitpunkt für ein langfristiges Investment ist statistisch gesehen immer jetzt

Die weltweiten Märkte leiden weiterhin unter den zu hohen Inflationszahlen und den damit einhergehenden Zinserhöhungen. In diesem Newsletter möchten wir zwei Inflationstreiber näher beleuchten und aufzeigen, wieso Perfektion beim Investieren nicht immer erstrebenswert ist.


Energiekrise bringt die Strompreise in Europa zum Explodieren, auch in der Schweiz

Die Energiekrise in Europa ist auch in der Schweiz angekommen. Privatkunden werden im nächsten Jahr mit durchschnittlichen Preissteigerungen von 30% rechnen müssen. Haushalte und kleinere Unternehmen sind sogenannte "gebundene Kunden". Das bedeutet, dass sie gezwungen sind, den Strom von ihrem lokalen Anbieter zu beziehen. Der Stromtarif für "gebundene Kunden" setzt sich aus dem Energiepreis, den Transportkosten und verschiedenen Steuern und Abgaben zusammen. Die Rechnung variiert von Gemeinde zu Gemeinde, je nach Höhe der lokalen Steuern und je nach Beschaffungsstrategie des örtlichen Stromversorgers. Einige Unternehmen produzieren einen grossen Teil des Stroms selbst, während andere ihn einkaufen. Einige haben bereits mehrere Jahre im Voraus Verträge abgeschlossen, während andere kurzfristig planen.

Firmen im freien Markt, welche den Strom nicht schon über langfristige Verträge eingekauft haben, wird es wahrscheinlich hart treffen. Für das Jahr 2023 müssen sie bis zehnmal mehr für ihren Strom bezahlen als für das laufende Jahr. Denn 2009 wurde der Schweizer Markt teilweise liberalisiert: Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 100’000 kWh pro Jahr können ihren Stromversorger frei wählen. Die steigenden Stromkosten dürften für viele Firmen zu einer echten Belastung werden und Druck auf die Margen ausüben, falls die höheren Preise nicht an die Kunden weitergegeben werden können.

Diese Entwicklung ist zweifellos inflationstreibend.


Perfektion in den Lieferketten ist nicht immer erstrebenswert

Die Just-in-Time-Fertigung - bei der die Unternehmen die Teile, die sie für den Bau ihrer Produkte benötigen, nicht auf Lager haben, sondern sich auf die Lieferung von Komponenten in letzter Minute verlassen - war in den letzten 20 Jahren der Inbegriff effizienter und kostengünstiger Abläufe. Durch COVID hat sich aber herausgestellt, dass diese Rechnung doch nicht so simpel ist. Supereffiziente Versorgungsketten erhöhen die Anfälligkeit für Unterbrechungen und eine kleine Störung kann einen immensen Schaden anrichten. Dadurch verzögern sich Lieferungen und die Preise schnellen in die Höhe.

Wir befinden uns im grössten Konsumboom der Nachkriegszeit, und Firmen stellen ihre Produktion ein, weil ihnen gewisse Teile zur Weiterverarbeitung fehlen.

Diese Entwicklung ist zweifellos inflationstreibend.


Auch bei Investitionen ist Perfektion nicht zwingend erstrebenswert

Perfektion kann auch bei Investitionen ein Nachteil sein: Bargeld ist in Bullenmärkten ein ineffizienter Hemmschuh und in Bärenmärkten so wertvoll wie Sauerstoff, entweder weil man es braucht, um eine Rezession zu überstehen, oder weil es der Rohstoff für neue Chancen ist. Kreditfinanzierung ist der effizienteste Weg, ihre Bilanz zu maximieren, und der einfachste Weg, alles zu verlieren. Konzentration ist der beste Weg, um die Rendite zu maximieren, aber Diversifizierung ist der beste Weg, um die Chancen zu erhöhen, ein Unternehmen zu besitzen, das in der Lage ist, Rendite zu erwirtschaften. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, wird man feststellen, dass ein wenig Ineffizienz der ideale Ort ist, an dem man sich aufhält.

Wie bei der Evolution liegt der Schlüssel in der Erkenntnis, dass man umso anfälliger ist, je mehr man versucht, perfekt zu werden.


An den Aktienmärkten kommt es regelmässig zu deutlichen Rücksetzern oder gar zu "Crashes". So geschehen zur Dotcom-Zeit nach der Jahrtausendwende, bei der Finanzkrise 2008 oder nach Ausbruch der Corona-Pandemie. Die breite Masse von Anlegerinnen und Anlegern verfällt dann in eine Art Schockstarre und hält sich von den Märkten fern. Ein Phänomen, das man auch in diesem Jahr mit dem Ukraine-Krieg und der Zinswende beobachten kann. Die Handelsumsätze liegen derzeit rund 40% unter den Vorjahreswerten. Ein idealer Einstiegspunkt wird abgewartet, um keine Verluste zu erleiden. Anders ist das Verhalten in solchen Situationen von Grossinvestoren und so genannten Börsen-Gurus. Sie greifen mutig zu. Denn sie haben Zeit und tätigen die Käufe mit Blick auf die nächsten zehn oder 20 Jahre. Und auch sie wissen genau: Den richtigen Zeitpunkt erwischen selbst sie als Börsen-Profis nicht. Aber ihre Befreiung aus der Schockstarre zahlt sich langfristig aus. Denn bei einem langfristigen Investment ist der ideale Zeitpunkt statistisch gesehen immer jetzt.


Der kalte Wind kommt nicht, er bläst einem bereits ins Gesicht. Eine Murmeltier-Strategie hilft, die Emotionen in Schach zu halten: ab in den Bau und warten. Haben Sie Geduld. Die Zeiten werden wieder besser. Die Faktenlage kann sich rasant ändern, denn Börsen sind vorwärtsgerichtet.


Wir sind im Moment nicht perfekt positioniert: erhöhte Bargeldquote, keine Kreditfinanzierung & breit diversifiziert


Wie immer danken wir für das uns entgegengebrachte Vertrauen!



Quartalsbericht Q3 2022
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