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T&V Kommentar | Q4 2022

Leider hat unsere Ankündigung bezüglich Generationenwechsel bei unseren Kunden zu Missverständnissen geführt. Gerne wollen wir klarstellen, dass Remo Thalmann seine Kunden wie gewohnt weiterbetreut. Er hat lediglich seine administrativen Aufgaben innerhalb der Firma abgegeben.


2022, ein Jahr zum Vergessen

Die Jahreszeit ist grau, und die Schlagzeilen zu Wirtschaft, Krieg und Politik machen alles noch etwas grauer. Die Stimmung ist mies, weil die Märkte 2022 nahezu in allen Vermögenswerten schwach waren. Auch historisch gesehen war das Jahr 2022 eine echte Ausnahme. In den letzten 100 Jahren ist es nur fünfmal vorgekommen, dass der S&P 500 (grösste 500 Unternehmen in Amerika) und US-Staatsanleihen gleichzeitig gefallen sind. Damit ist 2022 das schlechteste Jahr für ein ausgewogenes Portfolio mit 60% Aktien und 40% Anleihen seit 1931. Die restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken auf der ganzen Welt ist die Hauptursache für diesen Regimewechsel, da die steigenden Zinsen ihren Tribut an die hohen Bewertungen in verschiedenen Anlageklassen und Marktsegmenten fordern.


Heute haben die Crash-Propheten entsprechend Hochkonjunktur: eine mit 2009 vergleichbare Rezession nächstes Jahr sei denkbar. Echt? Die Notenbanken werden weiter die Zinsen erhöhen und das wird bei vielen Unternehmen Schmerzen verursachen, aber die Aussicht auf eine Systemkrise mit BIP-Einbrüchen von 5 bis 10% ist vermessen. Schlechte Nachrichten findet man derzeit genug. Vielleicht ist es daher an der Zeit, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.


Politisch: Die Bewegung der «Strongmen» ist auf dem Rückzug. Bolsonaro und Trump verschwinden in der Versenkung, und die Tage des Aggressors Putin sind gezählt. Er wird vielleicht nicht 2023 stürzen, aber das russische «Modell» ist für alle erkennbar kaputt. Putin hat nur Tod, Zerstörung und russischen Faschismus zu bieten. Die Sowjetunion war da kreativer: Die vermeintliche kommunistische Heilsbringerin gab sich als Retterin der unterdrückten Massen weltweit. Wichtiger noch sind die Signale aus China. Xi Jinping hat zuletzt klargemacht, dass der (gelenkte) Markt in China wieder oben auf der Agenda steht. China wird nicht Nordkorea. China braucht Wachstum. Das erfordert eine gewisse Offenheit.


Märkte: Die Lage der Weltwirtschaft und des Finanzmarkts mag ernst sein, aber die Kurse signalisieren Hoffnungslosigkeit. Die ist nicht angebracht. Man kann es positiv sehen: Die US-Wirtschaft ist so stabil, dass die Fed die Zinsen weiter erhöht. Es gibt gute Gründe dafür, dass eine tiefe Rezession wegen der Resilienz der US-Wirtschaft 2023 doch nicht kommt. Eine positive Überraschung wird den Märkten einen Schub geben. Zumal die Bewertungen heute auf den attraktivsten Niveaus seit vielen Jahren sind. Das gilt gerade für Digitalwerte. Ihnen gehört die Zukunft. Die Frage ist nur, wann die Kurse dieser Unternehmen an den Börsen wieder den Takt angeben. Vielleicht im April, vielleicht im Mai oder auch danach. Im März 2003 und 2009 endeten die letzten beiden grossen Crashs dieses Jahrtausends. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich oft.


Selbstreflexion und Ausrichtung Thalmann & Verling Trust reg.

Unsere Kunden haben gelitten. Wir sind unseren Ansprüchen nicht gerecht geworden, denn die von uns betreuten Portfolios haben sich in etwa im Gleichschritt mit dem in diesem Jahr äusserst unzufriedenstellenden breiten Markt entwickelt. Damit wir den weltweiten Markt wieder schlagen können, brauchen wir markant tiefere Inflationsraten. Wir sind jedoch zurückhaltend mit Prognosen über die Entwicklung der Inflation, weil wir glauben, dass weder wir noch irgendjemand sonst sie vorhersagen kann. Die Richtung in den letzten Monaten stimmt aber.


Unser Ansatz für Investitionen in einem inflationären Umfeld ist von Buffett abgeleitet. Er argumentiert, dass man in einem inflationären Umfeld am besten Unternehmen besitzt, die über eine hohe Preissetzungsmacht verfügen und wenig Kapital benötigen. Leider hat sich die Strategie letztes Jahr noch nicht sonderlich auszeichnen können, da viele dieser hochwertigen Unternehmen (zurecht) hohe Bewertungen genossen. Durch den raschen Zinsanstieg ist das Bewertungsniveau heruntergekommen, obwohl sich innerhalb dieser Firmen operativ oft wenig verändert hat.


Die von Buffett genannten Kriterien sehen wir in unseren Portfolios gut implementiert. Der Technologiesektor ist heute sehr unbeliebt, aber er scheint uns einer der besten Orte zu sein, um sein Geld zu parken, wenn die Inflation die grösste Sorge ist.

Ein gutes Beispiel ist Microsoft: Es ist schwierig, sich ein Unternehmen vorzustellen, das besser positioniert ist, um ein inflationäres Umfeld zu meistern. Microsoft 365 Business Standard (Outlook, Word, Excel, etc.) kostet CHF 12.30 Benutzer/Monat, ist aber für fast jedes Unternehmen unerlässlich. Kein Unternehmen wird Microsoft Office kündigen oder sich die Mühe machen, den Anbieter zu wechseln, nur um ein paar Franken pro Monat zu sparen. Tatsächlich hat Microsoft Anfang 2022 bekannt gegeben, dass es die Preise um 21% erhöhen wird und trotzdem kaum Auswirkungen auf die Abwanderung zu verzeichnen hatte.


Die Zeiten sind äusserst schwierig für alle, einverstanden. Einer der Schlüssel zum Anlageerfolg ist es, den Lärm auszublenden. Als langfristiger Anleger sollte man sich durch kurzfristige Marktschwankungen nicht vom langfristigen Finanzplan ablenken lassen.


Wie immer danken wir für das uns entgegengebrachte Vertrauen und wir freuen uns auf das gemeinsame Investieren 2023!



Quartalsbericht Q4 2022
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