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T&V Kommentar | Q3 2023

Erfolgreiches Investieren ist etwas für geduldige Menschen

Eine der grössten Herausforderungen beim Versuch, sich als Anleger auf langfristige Ziele zu konzentrieren, ist die emotionale Achterbahnfahrt des kurzfristigen Denkens.


In schlechten Jahren, wenn alles nach unten geht, wünscht man sich, man wäre weniger Risiko eingegangen. In guten Jahren, wenn alles steigt, wünscht man sich, man wäre mehr Risiko eingegangen.


Langfristige Renditen sind das Einzige, was zählt. Um langfristig erfolgreich zu sein, muss man eine Reihe von kurzfristigen Emotionen durchstehen. Kurzfristige Renditen können einem Investor einen Streich spielen. Die Renditen eines einzelnen Jahres können einem Anleger ein positives oder negatives Gefühl vermitteln, aber sie haben nur begrenzten Einfluss auf die langfristigen Ergebnisse, solange man nicht das gesamte Portfolio in Gefahr bringt.


Manchmal funktioniert alles, manchmal funktioniert nichts. Es wird immer etwas geben, worüber man sich Sorgen machen kann, unabhängig von der Marktentwicklung. Nach dem schlechten Jahr 2022 war es leicht zu befürchten, dass die Negativspirale weiter anhält. Dieses Jahr hat fulminant gestartet. Ängste vor erneut steigenden Inflationsraten respektive Zinsen, sowie geopolitische Unsicherheiten haben den Märkten über den Sommer aber zuletzt wieder stark zugesetzt.


Menschen neigen dazu, sich auf schnelle Ergebnisse zu konzentrieren, aber die wahre Weisheit bei der Geldanlage kommt erst, wenn man versteht, dass nur die langfristige Perspektive wirklich wichtig ist.


Vor rund 570 Tagen begann die Amerikanische Notenbank einen Zinserhöhungszyklus, wie ihn der moderne Anleger noch nie gesehen hat. Das Ende des Erhöhungszyklus ist mittlerweile absehbar, trotzdem ist weiterhin eine Verunsicherung an den Börsen spürbar.


Die Wechselkursentwicklung des Schweizer Franken ist bemerkenswert

«Leider» performt der CHF auch dieses Jahr wieder (fast) alle Währungen in Grund und Boden. Das ist vorteilhaft, wenn man die Ferien im Ausland verbringt – leider aber nachteilig, wenn man in Fremdwährungen investiert.


Die stetige Aufwärtstendenz des Franken reflektiert die günstigen Wirtschaftsbedingungen in der Schweiz, den Produktivitätsanstieg, aber auch, dass der Franken international als sicherer Hafen gefragt ist. Der Status "Sicherer Hafen" begleitet die Schweizer Währung seit Jahrzehnten. Die "Safe Haven-Schübe" treten regelmässig als Folge von Finanzkrisen oder politischen Ereignissen auf. Diesen Status geniesst die Schweiz sowohl aufgrund politischer und wirtschaftlicher Stabilität als auch aufgrund der äusserst soliden Staatsfinanzen. Diese Stabilität wird regelmässig von den internationalen Ratingagenturen bestätigt. Erst kürzlich bewertete S&P die Bonität der Schweiz erneut mit der Bestnote "AAA". S&P lobte insbesondere die starke wirtschaftliche Resilienz des Landes. Länder, die von den Ratingagenturen regelmässig schlecht bewertet werden, haben - wenig überraschend - schwache Währungen. So entwickelten sich der argentinische Peso (minus 99 Prozent) und die türkische Lira (minus 97 Prozent) im Wechselkursverhältnis zum Franken seit 2007 weitaus am schlechtesten. Der russische Rubel verlor 80 Prozent. Äusserst beträchtlich sind auch die Verluste des britischen Pfundes und der Norwegischen und Schwedischen Kronen. Dies erstaunt etwas, da diese zwei Skandinavischen Länder von den Ratingagenturen ebenfalls immer Bestnoten erhalten. Es zählen aber weitere Kriterien, weshalb sich die Schweiz von anderen Ländern und deren Währungen unterscheidet, so zum Beispiel die Inflation: Die nominale Wechselkursentwicklung lässt sich wahrscheinlich auf die unterschiedlichen Inflationspräferenzen und damit die tieferen Inflationsraten in der Schweiz zurückführen.


Starke Währungen können einen Wirtschaftsraum aber auch schädigen, denn sie verteuern im Inland hergestellte Produkte im Ausland, was eine exportlastige Volkswirtschaft wie die Schweiz potenziell bedrohen kann. Die SNB kaufte deshalb ab 2007 Fremdwährungen in der Höhe von rund 500 Milliarden Franken, um die Frankenaufwertung abzuschwächen. Die Wirkung der Interventionen verpuffte an den Devisenmärkten aber jeweils bald - und dass die SNB mit den Devisenkäufen ihre Bilanz massiv aufgebläht hat, sorgte und sorgt auch heute noch für heisse Köpfe in der Politik. Man sollte nicht vergessen, dass durch das Einschreiten der SNB die Volatilität des Wechselkurses begrenzt wurde und hat so dazu beigetragen, dass sich die Schweizer Wirtschaft allmählich und nicht schockartig an ein höheres Wechselkursniveau anpassen konnte. Die Auftrags- und Arbeitsplatzverluste wurden so ebenfalls minimiert.


Kein Auslöser für schwächeren Franken in Sicht

Die letzte grosse Wirtschaftskrise der Schweiz liegt 15 Jahre zurück. Und bei den wichtigen Kennzahlen Inflation oder Arbeitslosigkeit blieb die Schweiz schon vor 2008 teils deutlich unter den Vergleichszahlen von anderen wichtigen Volkswirtschaften. Das positive Gesamtbild hält sich: So gipfelte die Inflation in der Schweiz zu Jahresbeginn 2023 bei einem Wert von 3.4%. In den USA erreichte die Teuerung über 9% und im Euroraum gar über 10%.

Die Schweiz profitiert von ihrem starken Franken. Dies macht sich in der aktuellen Situation besonders bemerkbar, in welcher der starke Franken die Importpreise niedrig hält. Die SNB hat es als eine der wenigen Zentralbanken geschafft, die Inflationsraten bereits jetzt in ihren Zielbereich zurück zu bringen.

Für die Wirtschaft ist ein starker Franken grundsätzlich zu verkraften, da durch die tiefere Inflation die Kostensteigerungen auch geringer sind. Schwierig wird es bei sehr schnellen und sehr starken Aufwertungen, weil dann die normalen Anpassungsprozesse zu langsam sind.

Wir sehen keinen Grund für eine schwächere Schweizer Währung und erwarten, dass der Schweizer Franken auch in Zukunft stark bleibt. Dafür spricht vor allem die in der Schweiz, im Vergleich zu den anderen Ländern, tiefere Inflationsrate von durchschnittlich 1-2 Prozent über die Jahre.


Allgemein erklärt: Die Ausgangslage mit den Rahmenbedingungen in der Schweiz ist einfach besser verglichen mit anderen Ländern.



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