Software-as-a-Service (SaaS) - erfolgreiche Firmen mit attraktiven Möglichkeiten

Warum Investoren keine Angst vor verlustbringenden, aber schnell wachsenden Software-as-a-Service (SaaS) Firmen haben sollten.


Als Investor versuchen wir, respektive unsere talentierten Fondsmanager zu erkennen, ob die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens attraktiv ist. Sie stellen sich folgende Grundfragen: Kann das Unternehmen zu einer attraktiven Rendite in die Akquisition von Neukunden investieren? Hat das Geschäftsmodell das Potenzial, die Einnahmen für das Unternehmen schnell zu steigern, um möglichst bald eine beträchtliche Grösse zu erreichen?


Erfolgreiche Software-as-a-Service (SaaS) Firmen bieten sehr spannende Opportunitäten:


1) wiederkehrende Einnahmen

2) starkes Wachstum

3) hohe Margen


Wie bei jedem Unternehmen gibt es auch für SaaS-Unternehmen zwei Absatzmärkte:

(i) Endverbraucher (z.B. Netflix und Spotify) oder (ii) Unternehmen (z.B. Salesforce und Hubspot). Wir sind der Meinung, dass B2B-Softwareunternehmen den B2C-Softwareunternehmen überlegen sind. Unternehmen betrachten Software als eine Investition und als Partnerschaft, die ihrem Unternehmen zu mehr Effizienz und Effektivität verhilft, was letztlich zu einem größeren Erfolg führt. Daher haben sie eine höhere Zahlungsbereitschaft und einen höheren Lebenszeitwert. B2B-Abonnements wachsen in der Regel in dem Maße, wie die Unternehmen, an die sie verkauft werden. B2C-Unternehmen hingegen sehen sich mit einer höheren Abwanderungsrate (Konkurrenz) und einem geringeren Lebenszeitwert konfrontiert, und es ist schwieriger, einen Verbraucher zu einem Upgrade zu bewegen.


Praxisbeispiel

Betrachten wir nun ein hypothetisches Software-as-a-Service (SaaS)-Unternehmen. Nehmen wir an, es hat genau dieselbe finanzielle Ausgangslage wie ein Speditionsunternehmen: Umsätze von CHF 200m und einen Gewinn von CHF 20m bei einer Eigenkapitalbasis von CHF 100m. Anders als das Speditionsunternehmen muss das SaaS-Unternehmen am Jahresende keine zusätzlichen Sachanlagen kaufen, um den Umsatz zu steigern, da SaaS-Unternehmen extrem effizient skalieren. Das Schöne daran ist, dass SaaS-Unternehmen nur einmal etwas bauen und es dann unendlich viele Male verkaufen können. Diese Unternehmen erwirtschaften den größten Teil ihres Gewinns aus der Gewinnung und Bindung neuer Kunden, die in der Regel über viele Jahre hinweg Kunden bleiben (der so genannte Lebenszeitwert). Die Kosten für die Gewinnung dieser Kunden werden sich in den Folgejahren deutlich auszahlen, da die Kosten für die Betreuung des Kunden minimal sind.


Wenn das Technologieunternehmen durch Marketingmaßnahmen zu attraktiven Kosten neue Kunden gewinnen kann (d.h. der Lebenszeitwert eines Kunden ist um ein Vielfaches höher als die Kosten für die Akquisition eines Kunden), wäre das Unternehmen motiviert, sein Marketingbudget um CHF 20m zu erhöhen, anstatt CHF 20m für Sachanlagen wie das Speditionsunternehmen auszugeben. Aus buchhalterischer Sicht wird jedoch der gesamte Marketingaufwand von CHF 20m in dem Jahr, in dem er anfällt, in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen und den Gewinn des Unternehmens gegen null reduzieren. Im Gegensatz dazu fließen die Investitionen des Speditionsunternehmens in zusätzliche Lkw durch die Gewinn- und Verlustrechnung und die Bilanz und werden letztlich als Investitionsausgaben ("CAPEX") behandelt. Die CHF 20m für die Anschaffung der Lkws werden während der 10-jährigen Lebensdauer der Lkws als Abschreibungsaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht. Beide Unternehmen treffen rationale Entscheidungen über die Kapitalallokation, um ihr Geschäft weiter auszubauen, aber in Bezug auf ihre jeweiligen Jahresabschlüsse sehen die Unternehmen recht unterschiedlich aus. Der Hauptunterschied besteht darin, dass das Speditionsunternehmen recht profitabel zu sein scheint, während das Technologieunternehmen kaum kostendeckend arbeitet!


In der heutigen digitalen Wirtschaft operieren viele Technologieunternehmen genau so wie im obigen Beispiel beschrieben. Um das Wachstum möglichst hoch zu halten, erhöhen sie ihre Marketingbudgets so weit, bis der Gewinn auf null sinkt. Dies, obwohl sie schon längst einen Gewinn ausweisen könnten!


Gian-Luca Thalmann, 12.2021 inspiriert durch die Gedanken von Donville Kent AM, 10.2021

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